‘Dead Drops’ sind anonyme peer to peer (p2p) File-Sharing Datenspeicher im öffentlichen Raum. Meist per USB Sticks werden diese in Mauern oder an Gebäuden für jedermann zugänglich gemacht. Alle sind eingeladen ihre Dateien mit anderen zu tauschen und auch mal neues zu endecken. Vor dem anstecken sollte man jedoch sein Autostart-Funktion deaktiviert haben. Wer möchte schon unerwünschte Programme oder Trojaner auf seinem PC ? Ein USB-Verlängerungskabel erleichtert den Blick in den toten Briefkasten.

Besucher der Webseite http://deaddrops.com/ finden alle öffentlich verzeichneten Orte, wo sich die Drops befinden in einer Datenbank. Der Speicherplatz aller sich dort draussen befindlichen USB-Geräte wird somit auf 6251 GB (Stand Juli 2013) berechnet.
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„Dead Drops“ – Daten stecken in alten Mauern
Nur ein metallenes, verrostetes Ende ragt aus der grauen Mauer am Neuen Rathaus von Hannover hervor. Wer nicht weiß, dass sich hier etwa 20 Zentimeter über dem Boden ein kleiner Datenträger versteckt, der übersieht ihn einfach. Von wem der USB-Stick stammt, ist unbekannt. Aber jeder ist willkommen seinen Laptop anzuschließen und zu ergründen, welche Daten sich im Mauerwerk verbergen.
„Dead Drops“ als Kunstprojekt
Genau diese Ungewissheit ist es, die den Berliner Künstler Aram Bartholl im Oktober 2010 dazu bewog, die ersten USB-Sticks in New York zu installieren. Den heute 40-Jährigen reizte einfach die Vorstellung von einem Nutzer, der „statt mit seinem schicken Computer im Café zu sitzen, am Kantstein kniet, sich vielleicht die Hose dreckig macht, weil dort Daten drin sind“. Bereits Ausstellungen wurden den „Dead Drops“ gewidmet.
Unterwegs mit dem Datenjäger
Manuel Nitschke ist ständig auf der Suche nach neuen Daten. Regelmäßig sucht er die „Dead Drops“ in Hannover auf. Den Datenjäger treibt vor allem die Neugier an.
Über 1.200 „Dead Drops“ weltweit
Aus anfänglich fünf sind mittlerweile rund 1.200 „Dead Drops“ geworden – weltweit. Auf www.deaddrops.com ist der genaue Standort der USB-Sticks dokumentiert. Eine Nahaufnahme, ein Foto aus mittlerer Entfernung und eine Übersicht über den Ort – schließlich soll der USB-Stick auch gut zu finden sein. Doch was sich darauf befindet, das erfährt nur, wer selbst nachschaut. „Die Daten sind nur vor Ort. Nicht in der Cloud. Nicht bei Facebook. Das hat mit dem cleanen, digitalen Raum nichts zu tun“, sagt der Künstler. Denn anders als im Netz sind nur die Dateien auf den Sticks vorhanden, die dort von anderen hinterlassen wurden, die auch tatsächlich dort waren.
Jeder kann „Dead Drops“ installieren
Auch am Neuen Rathaus in Hannover haben schon einige ihren digitalen Fußabdruck hinterlassen: Musik, Fotos, Videos, Texte, Grußbotschaften, aber auch politische Inhalte, wie Demo-Plakate oder Flyer gegen Vorratsdatenspeicherung befinden sich auf dem verrosteten Stick. Und: das „Dead Drops“-Manifest, eine Art Anleitung. Dort heißt es: „Jeder hat Zugriff auf einen ‚Dead Drop‘ und jeder kann einen Dead Drop in seiner Stadt/Nachbarschaft installieren.“ Und gerade weil wirklich jeder die „Dead Drops“ benutzen kann, werden sie im Internet auch als „digitaler One-Night-Stand ohne Verhütung“ bezeichnet. Denn auf den modernen toten Briefkästen könnten sich natürlich auch Computerviren und andere Schadsoftware verbergen.
Der perfekte „Dead Drop“ ist laut Bartholl übrigens „mit Zement eingemauert, zeigt nur die metallene Spitze und ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen“. Das macht es natürlich spannender, Daten anonym zu tauschen. Ein gewisser Hauch von 007, wenn man so an der Mauer lehnt und die Daten auf dem USB-Stick anklickt. Doch auch hier gilt das Urheberrecht, betont Joerg Heidrich vom „c’t Magazin“: „Illegale Inhalte werden nicht dadurch legal, dass ich sie auf so eine Box setze.“ Allerdings sei die Gefahr erwischt zu werden sehr gering.
In Hannover gibt es übrigens noch einen ganz speziellen USB-Stick – direkt am Maschsee-Ufer. Hier stoßen Datenjäger jedoch an gewachsene, natürliche Grenzen. Denn der USB-Stick steckt in einer von Efeu dicht bewachsenen Mauer.
